Redigieren – Eine Detektivgeschichte

Menschen die redigieren oder lektorieren sind Detektive der deutschen Sprache. Sie vertiefen 3d small people - super sleuthsich in den Text, finden heraus, was er sagen will, wie er etwas sagen will und wen er eigentlich ansprechen möchte.

Bewaffnet mit langjährig erworbenen Fähigkeiten in Grammatik, Rechtschreibung und Sprachstil, kämmen sie sich durch lange Sätze, um die Aussage zu finden und zu retten.

Sie harken sich durch das Unkraut von Rechtschreibungs- und Interpunktionsfehlern, sortieren Haupt- und Nebensätze, verorten Akkusative, Dative und Genitive an ihre Plätze und schicken überflüssige Verbdekorationen ins Exil.

Detektive im Undercover-Einsatz

Wenn die Schönheitsfehler erst einmal ausgemerzt sind, findet die verdeckte Ermittlung statt. An dieser Stelle begibt sich der Redakteur, der Redigierende (aus dem lat. „redigere“ = in einen Zustand bringen) oder der Lektor, gedanklich in die Mitte der Leser.

Sind die Informationen angekommen? Sind diese auch richtig angekommen? Müssen weitere Stolpersteine ausgeräumt oder Botschaften freigelegt werden?

Duzen und Siezen

Wenn der Sprachdetektiv weiß wie die Leser gestrickt sind, weiß er auch wie sie angesprochen werden müssen. Werbe ich um ein junges Publikum und nutze ein „lockeres“ Vokabular oder glänze ich mit einem sprachlich hohen Niveau bei wissenschaftlichen Arbeiten und formalen Briefen?

Ist die Ich-Perspektive ideal oder ein sprachlicher Abstand von der eigenen Meinung besser?

Wie häufig nutze ich Redewendungen und Umschreibungen?

Die alte Kunst der Diplomatie ist in der Sprachwelt ein nützliches Werkzeug.

Floskeln sind es hingegen meist nicht und teilen nur sehr selten etwas inhaltlich Wertvolles mit.

Botschaften erkennen und übermitteln

Redakteure und Lektoren kennen die Botschaften, die Sprache transportieren kann und die verschiedenen Wege, jene zu unterscheiden und richtig zu übermitteln.

Sind der Text erforscht, das Leserpublikum bestimmt und die Unklarheiten beseitigt, ist die Detektiv-Arbeit beendet. Abschließend ist der Schöngeist gefragt, der für ein angenehmes Leseerlebnis, einen abgerundeten Text und klare, beabsichtigte Strukturen sorgt.

Das ist das eigentliche Zeugnis eines Menschen, der redigiert oder lektoriert.